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Interview mit dem Autor

 

1. Wie ist die Idee zur Geschichte „Ksss! Lise, Paul und das Garderobenmonster“ entstanden?

 Die Idee zu der Geschichte kam mir tatsächlich nach dem Sportunterricht in der Garderobe, beim Warten auf Kinder, die zum Umziehen besonders viel Zeit benötigten. So liess ich eines Tages beiläufig den Satz -  Wusstet ihr eigentlich, dass ein kleines Monster in die Garderobe eingezogen ist? –  fallen. Die Kinder liessen sich begeistert auf das „Spiel“ ein. Natürlich wollten sie wissen, ob das Garderobenmonster gefährlich sei, was ich verneinte. Es war ja ein kleines Monster, ganz niedlich und sehr scheu. Die Kinder begannen Fragen zu stellen und ich musste erzählen, wie das Garderobenmonster aussieht, was es macht und was es isst. Um die Kinder bei der Stange zu halten, liess ich mir dauernd neue Details einfallen. Schliesslich gab es Kinder, die sich extra langsam umzogen oder die in der Garderobe sitzen blieben, um Weiteres zu erfahren. Das Tolle an dem Ganzen war diese Grenze zwischen Realität – wir alle wussten, dass es keine Monster gibt – und Fiktion - und doch mussten wir nachgucken gehen, wenn jemand das kleine Garderobenmonster um die Ecke verschwinden sah.

 

 2. Lise und Paul, die beiden Helden in Ihrer Geschichte, werden von ihren Klassenkameraden ausgegrenzt und geplagt, weil sie anders sind. Das Thema Mobbing unter Kindern ist ja brandaktuell und wird viel diskutiert – haben Sie hier konkrete Erfahrungen aus Ihrem Berufsalltag als Primarlehrer in die Geschichte verwoben?

 Ich erlebe als Lehrer leider immer wieder, dass auch in der heutigen Zeit Mobbing gerne bagatellisiert wird und sich viele nicht bewusst sind, wie schlimm es für Betroffene ist, wenn sie gemobbt werden. Mobbing, Ausgrenzung, kann in jeder Klasse ein Thema werden und ich finde, es ist meine Aufgabe als Lehrer, soweit wie möglich auch präventiv dafür zu sorgen, dass Kinder nicht systematisch und über längere Zeit schlecht behandelt und schikaniert werden.

Lange suchte ich gerade für die Unterstufe und die untere Mittelstufe eine geeignete, zeitgemässe Geschichte, die die Thematik nicht mit dem Mahnfinger behandelt. Als ich mit der Niederschrift der Geschichte vom kleinen Garderobenmonster begann, war für mich klar, dass eine der Hauptfiguren einer Mobbingsituation ausgesetzt sein wird. Beim Schreiben achtete ich auf Folgendes: Die Geschichte musste richtig spannend sein, sie sollte den Kindern ein tolles Leseerlebnis bieten, sie aber auch berühren. Und ich hatte den Anspruch, dass die Geschichte die Leserschaft dahingehend sensibilisiert, wie man mit jemandem umgeht, der anders ist, andere Ideen hat, andere Vorlieben. Zudem sollte das Buch kindgerechte Lösungsansätze bieten, was man unternehmen kann, wenn man gemobbt wird, das war mir sehr wichtig.

 

 3. Gibt es noch andere Themen ausser Mobbing, die das Buch behandelt?

 Freundschaft, das ist für mich das zweite grosse Thema dieses Buches, die Freundschaft zwischen Lise und Paul, die sich bereits seit dem Kindergarten kennen und gegenseitig unterstützen, eine Freundschaft, die auch einen Streit verträgt.

Genderfragen werden aufgeworfen in dem Buch: Wie muss ein Mädchen sein, um von den andern akzeptiert zu werden, wie ein Knabe? Lise und Paul und sogar das kleine Garderobenmonster fallen da durch die Maschen der gesellschaftlichen Norm und bekommen das auch zu spüren. Gerade Lise kann mit dem Druck, der dabei entsteht, zum Teil schlecht umgehen. Zum Glück hilft ihr da ihre Freundschaft zu Paul und ein aufmerksames Umfeld über vieles hinweg.

Gesunde Znünis, gesunde Ernährung, auch dieses Thema wird im Buch  - beiläufig -  behandelt. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, Kinder (und auch Eltern) zu sensibilisieren, wie eine tägliche, gesunde Zwischenverpflegung aussieht. Mit Ausnahmen, ganz klar! Wie Pauls frittierte Fischstäbchen mit viel Mayo, auf die er sich nach dem Schwimmunterricht freut.

 

 4. Ihre Lieblingsstelle aus dem Buch? Warum?

 Ich habe mehrere Lieblingsstellen. Ich mag die Stelle, wo Lise, anstatt sich zu fürchten, das kleine Garderobenmonster kurzerhand auf ihren Schoss hebt und es streichelt, als dieses weinen muss. Eine andere Stelle ist, wo Lise den Mut aufbringt, vor die Klasse zu treten, um sich zu wehren und den Kindern zu sagen, dass sie, so wie sie ist, in Ordnung ist.

Und viele Stellen mit Paul mag ich, seine Schussligkeit und wie er dagegen angeht, oder dort wo er einfach zu schreien beginnt und sich und Lise so aus einer ziemlich brenzligen Situation rettet.

 Zum Vorlesen mag ich die spannenden Stellen, zum Beispiel dort, wo das kleine Garderobenmonster in die Turnhalle einzieht und es draussen ganz dramatisch gewittert oder dort, wo das kleine Garderobenmonster zum ersten Mal auf Paul zurollt und seine spitzen Zähnchen zeigt.

 

 5. In Ihrem Buch kommen neben Lise und Paul noch weitere Figuren vor. Welche Figur ist Ihr persönlicher Favorit und warum?

 Das ist schwierig zu beantworten, weil ich alle Figuren mag. Ich habe mich lange mit ihnen auseinandergesetzt und sie sind mir ans Herz gewachsen. Das kleine Garderobenmonster mit seinem flauschigen Fell, das man am liebsten knuddeln möchte. Lise, weil sie gerne Fussball spielt, Mut und Kraft hat, draufgängerisch ist und weil sie mit ihren roten Lederlatzhosen eigen ist und sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt. Und Paul, ihr Pendant, der auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und oft genau das richtige macht, der für alles seine Zeit braucht, was auch ein Vorteil sein kann, wie er herausfindet, der immer zu Lise hält und der bis zum Ende eine tolle Entwicklung durchmacht. Sowieso finde ich die Freundschaft zwischen Lise und Paul ganz toll.

Aber auch Frau Blume, die Lehrerin, mag ich, die Art wie sie mit den Kindern umgeht, wie sie sich kleidet. Und zum Schluss: Frau Lamara, die ist mir auch ans Herz gewachsen, obwohl sie nur eine Nebenfigur ist. Aber mir vorzustellen, wie sie in ihren Zoccoli klackernd in das Untergeschoss steigt, um den Staubsauger im Heizungskeller zu versorgen und wie ihr dabei etwas Kleines über die nackten Füsse huscht, so dass sie erschrocken dio mio ruft, sich bekreuzt und den Raum schnell verlässt, das hat mir Spass gemacht.